Ein Schließzylinder, der nicht exakt zur Tür passt, ist mehr als ein Ärgernis: Steht er außen über, wird er zur Schwachstelle. Ist er zu kurz, lässt sich die Tür nicht sicher abschließen oder der Zylinder nicht ordentlich befestigen. Deshalb ist das richtige Ausmessen kein Detail, sondern die Grundlage für einen sicheren Schlosswechsel.
Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie das A- und B-Maß sauber bestimmen — und woran Sie merken, dass es Zeit für eine fachliche Kontrolle ist. Es geht hier ausschließlich ums Messen am eigenen Schloss, nicht ums Wechseln selbst.
Warum die Länge so wichtig ist
Der typische Profilzylinder besteht aus zwei Hälften, getrennt durch die Mitte, in der die Stulpschraube sitzt. Diese beiden Hälften können unterschiedlich lang sein — deshalb gibt es zwei Maße:
- A-Maß: Mitte → Außenseite (zur Tür hin, wo der Schlüssel von außen rein geht)
- B-Maß: Mitte → Innenseite
Ein Zylinder wird darum immer als „A/B” angegeben, also etwa „30/35”. Wer nur die Gesamtlänge kennt, hat noch nichts gewonnen — die Verteilung auf die beiden Seiten muss stimmen.
Das Sicherheitsproblem dahinter: Ein Zylinder, der außen übersteht, bietet einen Hebel. Ein überstehender Zylinder lässt sich mit Werkzeug deutlich leichter angreifen als ein bündig sitzender — das ist einer der häufigsten konstruktiven Schwachpunkte an Wohnungstüren. Genau deshalb gilt die Faustregel: Außen darf der Zylinder nicht überstehen. Bündig oder durch einen Sicherheitsbeschlag geschützt ist das Ziel.
Ein zu kurzer Zylinder ist ebenfalls ein Problem: Die Stulpschraube greift nicht sauber, der Zylinder sitzt nicht fest, oder die Tür lässt sich nicht richtig abschließen.
Aus genau diesem Grund ist das saubere Messen die halbe Miete beim Austausch. Wann ein Wechsel überhaupt nötig ist und wie er abläuft, lesen Sie im Beitrag Schließzylinder wechseln in Tübingen — hier geht es nur ums korrekte Maß.
Was Sie brauchen
- ein Maßband oder einen Messschieber (genauer als ein Zollstock)
- Papier und Stift, um A und B getrennt zu notieren
- gutes Licht
- idealerweise ein Foto der eingebauten Tür von beiden Seiten
Mehr ist nicht nötig. Bitte nichts ausbauen, solange Sie nur messen wollen — und die Tür dabei nicht abschließen.
Schritt für Schritt: A- und B-Maß bestimmen
Schritt 1 — Zylinder lokalisieren, Tür sichern
Suchen Sie den Profilzylinder im Schloss. Lassen Sie die Tür offen oder höchstens zugezogen — niemals abgeschlossen, sonst sperren Sie sich beim Messen womöglich selbst aus.
Schritt 2 — Die Mitte finden (Stulpschraube)
An der Schmalseite der Tür (der Stirnseite, wo Falle und Riegel austreten) sitzt eine kleine Schraube: die Stulpschraube. Sie fixiert den Zylinder und liegt ungefähr auf seiner Mitte. Diese Mitte ist Ihr Nullpunkt für beide Messungen.
Schritt 3 — A-Maß messen (außen)
Messen Sie von der Mitte (Stulpschraube) bis zur Außenkante des Zylinders — also bis zur Außenseite der Tür. Wichtig: Ein eventuell vorhandener Sicherheitsbeschlag oder Schutzrosette auf der Außenseite gehört mit eingerechnet, weil er die effektive Lage des Zylinders verändert. Notieren Sie diesen Wert als A.
Schritt 4 — B-Maß messen (innen)
Messen Sie von der gleichen Mitte bis zur Innenkante des Zylinders. Das ist B. Notieren Sie A und B getrennt, in dieser Reihenfolge. Beispiel: A = 30 mm, B = 35 mm → „30/35”.
Schritt 5 — Bauform und Besonderheiten festhalten
Halten Sie zusätzlich fest:
- Doppelzylinder (beidseitig Schlüssel) oder Knaufzylinder (innen Knauf)?
- Sind Sicherheitsbeschläge montiert?
- Gehört die Tür zu einer Schließanlage?
Diese Angaben gehören genauso zur Bestellung wie das Maß selbst.
Schritt 6 — Im Zweifel gegenmessen lassen
Liegt das Maß grenzwertig (z. B. der Zylinder sitzt schon jetzt knapp), erschweren Beschläge die Messung, oder sind Sie unsicher: vor dem Kauf fachlich prüfen lassen. Ein Messfehler von wenigen Millimetern macht einen Zylinder unbrauchbar oder unsicher — eine zweite Meinung ist günstiger als ein Fehlkauf plus erneuter Wechsel.
Häufige Fehler beim Messen
- Nur die Gesamtlänge nehmen. Ohne A/B-Aufteilung ist die Zahl wertlos.
- Beschläge vergessen. Eine dicke Schutzrosette außen verschiebt das wirksame Maß.
- Vom Türrand statt von der Stulpschraube messen. Die Mitte ist die Stulpschraube, nicht die sichtbare Türkante.
- Auf „passt schon” runden. Zylinder gibt es in feinen Stufen — runden Sie nicht großzügig.
- Außen überstehen lassen. Lieber bündig oder durch Sicherheitsbeschlag geschützt.
Wann der Profi messen sollte
Selbst messen ist bei einer normalen Wohnungstür gut machbar. Übergeben Sie die Messung lieber an einen Fachbetrieb, wenn:
- die Tür zu einer Schließanlage gehört (hier hängt mehr dran als ein Zylinder)
- ungewöhnliche oder mehrlagige Beschläge verbaut sind
- das Maß grenzwertig ist und ein Millimeter entscheidet
- es um eine Sicherheits- oder Brandschutztür geht, bei der die Auswahl Vorgaben folgt
In all diesen Fällen lohnt sich der Blick durch einen lokalen Fachmann. Wir messen im Rahmen eines Schlosswechsels in Tübingen direkt vor Ort, sodass die Länge und die Sicherheitsstufe von Anfang an stimmen.
Häufige Fragen
Was bedeuten A-Maß und B-Maß beim Schließzylinder? Das A-Maß ist die Länge von der Zylindermitte (Stulpschraube) bis zur Außenseite der Tür, das B-Maß von der Mitte bis zur Innenseite. Ein Zylinder wird immer mit beiden Maßen getrennt angegeben, zum Beispiel 30/35.
Warum ist die falsche Zylinderlänge ein Sicherheitsrisiko? Steht der Zylinder außen über, lässt er sich leichter abbrechen oder ziehen — ein bekannter Angriffsweg. Ein zu kurzer Zylinder lässt sich nicht sicher festschrauben oder die Tür nicht abschließen.
Kann ich den Zylinder selbst ausmessen? Ja, mit etwas Sorgfalt ist das Messen von A- und B-Maß ab Stulpschraube gut machbar. Wichtig ist, beide Seiten getrennt zu messen und Beschläge mit einzurechnen.
Was ist, wenn der Zylinder leicht übersteht? Ein außen überstehender Zylinder sollte korrigiert werden. Entweder ein passend kürzerer Zylinder oder ein Sicherheitsbeschlag, der den Überstand abdeckt und vor Ziehangriffen schützt.
Wann sollte ich lieber den Fachbetrieb messen lassen? Bei Schließanlagen, ungewöhnlichen Beschlägen, grenzwertigen Maßen oder wenn Sie unsicher sind. Ein Messfehler von wenigen Millimetern kann den ganzen Zylinder unbrauchbar oder unsicher machen.
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